Donnerstag, 2. April 2015

Der erste Babymonat

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…Und nicht mein Leben hat sich verändert durch mein Kind, sondern ich mich selbst.

SAMSUNG CSC

Nachdem ich einige Gespräche geführt habe, habe ich das Gefühl, man erwartet von einer “Neu-Mutter”, das sie völlig überfordert und gestresst ist. Jedes mal, wirklich jedes mal!, blicke ich in überraschte Gesichter, wenn ich auf die Frage “Und? Ist anstrengend, nicht wahr?” mit einem klaren “nein” antworte. Auch hat sich mein Leben nicht komplett verändert. Nur die Zeitrechnung und die Prioritäten sind verändert. Das Wort “schnell” in Verbindung mit Unternehmungen existiert nicht mehr, Stunden vergehen bis man zuerst das Kind gestillt, frisch gewickelt, dann den Kinderwagen aus dem Stock runtergetragen, die Babysachen gepackt hat (NIE wieder verlasse ich die Wohnung ohne ein zweites, frisches Outfit für sie einzupacken!). Eine genaue Uhrzeit für Verabredungen kann ich nur noch grob benennen und wenn Charlotte ein Bedürfnis hat, richtet sich alles danach. Ich mache drei Kreuze, wenn sie endlich schläft und frage mich nachts oft, warum sie bitte nicht einfach schnell wieder einschlafen kann statt zu quengeln, doch schläft sie zu lange, warte ich sehnsüchtig darauf das sie wieder aufwacht. Körperlich komme ich an meine Grenzen, seit 4 Wochen habe ich nie länger als zwei Stunden am Stück geschlafen und das zerrt irgendwann automatisch. Gestresst bin ich aber nicht im geringsten. Manchmal braucht das alles Organisationstalent, manchmal muss ich in den ungewöhnlichsten Situationen essen, um überhaupt dazu zu kommen. Trotzdem fühlt sich mein Leben immer noch wie vor der Geburt meiner Tochter an. Dafür wird man ein völlig neuer Mensch, sobald man Mutter ist. Das zu beschrieben ist ziemlich schwierig. Schon während der Schwangerschaft habe ich mich sehr verändert, plötzlich fand ich Dinge/Situationen gar nicht mehr so lustig wie früher und hatte andere Ansichten. Doch seitdem ich Mutter bin, hat sich das noch vertieft und Charakterzüge haben sich verändert. Ich bin viel ruhiger und gelassener (lustiger weise trotz viel schreiendem Säugling!), ich achte mehr auf mich selbst, gehe anders und bedachter mit Menschen um, überlege viel mehr, schätze Kleinigkeiten und Momente im Leben viel mehr  – leider ist es schwer in Worte zu fassen, wie man sich verändert. Wahrscheinlich muss man selbst Mutter werden, um das nach zu empfinden. Oft merke ich, wie ich bei Freundinnen in den “Muddi-Modus” verfalle (WAS? Du hast nicht gefrühstückt? Das ist aber die wichtigste Mahlzeit am Tag!, die Party war aber schon ein wenig exzessiv, ihr solltet nicht mehr so viel Alkohol trinken!) dabei war ich genau so noch vor meiner Schwangerschaft. Die Zeit war schön, als ich noch völlig “für mich alleine war”, ohne Kind. Doch meinen Horizont erweitert hat erst mein Kind – wenn man morgens von seinem Kind angestrahlt wird weil sie ihre Mutter erkennt und sich freut, weiß man was im Leben wirklich zählt.

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Kommentare:

  1. Wundervoll geschrieben und völlig den Nagel auf den Kopf getroffen!
    Super!!!

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  2. Sehr schön geschrieben! Ich finde dass den Stress immer andere mit ihrem Erwartungsdruck machen. So Sachen wie "Was, das Kind bekommt Nachts noch Milch?", "Wieso schläft es noch im Elternschlafzimmer?" oder "Jedes Kind mag Brei/Beikost" kann ich alles nicht mehr hören. Oder dass der Haushalt trotz Kind perfekt geführt sein muss. Bügelwäsche darf liegen bleiben und die Kassiererin ist auch noch nicht vor Schreck umgefallen als ich ungeschminkt und mit Augenringen im Supermarkt war...

    Du hast erkannt was es heißt Mutter zu sein: nämlich man selbst zu sein, nur mit dem ungetrübten Blick für die Bedürfnisse eines kleinen Wesens, erfüllt von bedingungsloser Liebe. Und auch wenn man wenig schläft (meine Maus zahnt gerade und macht auch die Nacht zum Tag), ich liebe es wenn sie mit ihrem kleinen Händchen meinen Finger ganz feste drückt, mich ansieht als wolle sie "danke, dass du da bist" sagen und dann trotz Schmerzen friedlich in meinen Armen einschlummert.
    Stress haben wir nur, wenn Ärzte, Familie und Pekip-Übermütter ihn machen. Ich finde ein Kind ist Liebe, Harmonie und wie du schon schreibst nur Mütter können das nachempfinden, ich glaube selbst für die Papas ist es schwer all das zu begreifen.

    Ich wünsche euch alles Liebe, genießt eure Zeit und auch wenn es jeder sagt, ja sie werden einfach zu schnell groß.

    Ich widme mich jetzt wieder meiner Maus, die gerade verzweifelt versucht sich an meinem Hosenbein hochzuziehen und mein Trommelfell vor lauter Quietschen fast platzt ;)

    Liebe Grüße
    Kathy

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  3. Tolle Sichtweise :)
    Mal sehen, ob ich das nach Ankunft des BrotBärchens auch so gelassen sehen kann :)

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